Morbus Bechterew und Spondylitis Ankylosans und rheumatoide Arthritis sowie Rheuma und Rücken. TNF-Alpha Therapie, NSAR, Cox 2, Diagnose und Radium

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Update 24.08.2007

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Therapie des Morbus Bechterew mit TNF-alpha-Blockern (Presseberichte)

Infliximab hilft lange bei schwerem Morbus Bechterew - Wirksamkeit bleibt mindestens 54 Monate erhalten / Zulassung für diese Indikation wird im Frühjahr erwartet

Menschen mit schwerem Morbus Bechterew profitieren besonders von dem Tumornekrosefaktor (TNF) alpha-Hemmer Infliximab, und das auch langfristig. In der offenen Verlängerungsphase einer kontrollierten Multicenterstudie nahm die Krankheitsaktivität im Verlauf von 54 Wochen bei der Hälfte aller Patienten um mindestens 50 Prozent ab.

"Das ist ein Durchbruch bei der Behandlung von Patienten mit Spondylitis ankylosans, bei denen die Krankheitsaktivität hoch ist", so Professor Jürgen Braun vom St.-Josefs-Krankenhaus Herne in München. Die Einjahres-Ergebnisse der offenen Studienphase der zunächst placebokontrollierten deutschen Untersuchung war bei der Tagung des American College of Rheumatology (ACR) in New Orleans vorgestellt worden.

70 Patienten mit schwerer Spondylitis ankylosans hatten an der Studie teilgenommen. Die Krankheitsaktivität wurde mit einem Fragebogen ermittelt (Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity, BASDAI), der die Symptome Wirbelsäulenschmerzen, periphere Arthritis, Enthesitis und Morgensteifigkeit abfragt. Die Symptom-Stärke wird dabei auf einer Skala von null (keine) bis zehn (sehr stark) eingeordnet, wobei sich die Teilnehmer alle oberhalb von drei befanden. Ebenfalls erfaßt wurden körperliche Einschränkungen auf einer Zehn-Punkte-Skala (Bath Ankylosing Spondylitis Functional-Index, BASFI).

Die Studienteilnehmer mit dem Verum-Präparat erhielten zu Studienbeginn und in den Wochen zwei und sechs jeweils jeweils fünf Milligramm pro kgKG Infliximab (Remicade®) als Infusion, die übrigen Patienten Placebo. Innerhalb von zwei bis vier Wochen nach nach Behandlungsbeginn nahm bei etwa der Hälfte der Patienten in der Verum-Gruppe die Krankheitsaktivität ab und körperliche Funktion zu, und zwar um fünfzig Prozent oder mehr. In der Placebogruppe war dies nur bei neun Prozent der Bechterew-Patienten der Fall.

Ab der Woche 18 bekamen alle Patienten im Abstand von sechs Wochen das Verum-Präparat infundiert. Nun habe es in der ehemaligen Placebogruppe ähnliche Therapie-Ergebnisse gegeben wie in der früheren Verumgruppe, berichtete Braun bei der Veranstaltung des Unternehmens Essex. Die Wirksamkeit des Medikamentes habe damit bei den Patienten, die auf die Therapie ansprachen, bislang für 54 Wochen angehalten. Die Krankheitsaktivität sei nach einem Jahr Behandlung minimal gewesen.

Als geeignet sieht Braun die Infliximab-Therapie für Patienten mit gesicherter Spondylitis ankylosans an, die schon drei Monate oder länger krank sind und auf mindestens zwei nicht-steroidale Antirheumatika in maximaler Dosis nicht angesprochen haben. Im Kernspintomogramm sollten Entzündungszeichen an der Wirbelsäule erkennbar und es sollte eine rasche Progression der Wirbelsäulen-Versteifung zu erwarten sein. Patienten mit hohen Werten von C-reaktivem Protein profitierten mehr als solche mit normalen oder niedrigen CRP-Werten.

Die Zulassung von Infliximab für die Indikation Spondylitis ankylosans werde für das Frühjahr diesen Jahres erwartet, sagte Braun. Ärzte Zeitung, 13.01.2003

Etanercept bewährt sich bei M. Bechterew - Kontrollierte Studie mit 40 Patienten / Therapieeffekt blieb über zehn Monate stabil

Der TNF-alpha-Hemmer Etanercept hat sich als neue Therapie bei M. Bechterew in einer Studie über zehn Monate bewährt. Nach vier Monaten hatte sich die Krankheitsaktivität bei 80 Prozent der Verum-Patienten um mindestens ein Fünftel vermindert, mit Placebo nur bei 30 Prozent.

An der kontrollierten Studie hatten 40 Bechterew-Patienten aus Praxen teilgenommen, so Dr. Jennifer D. Gorman und ihre Kollegen von der University of California in San Fransisco (N Engl J Med 346, 2002, 1349). Die eine Hälfte bekam vier Monate lang zweimal pro Woche 25 mg Etanercept (Enbrel®) subkutan gespritzt, die andere Placebo. Zusätzlich waren NSAR und die gewohnte Basismedikation in gleichbleibender Dosis erlaubt. Nach vier Monaten erhielt auch die Kontroll-Gruppe für weitere sechs Monate das Verum-Präparat. 37 Patienten beendeten die Studie.

Primärer Endpunkt war das Ansprechen auf die Therapie. Bei mindestens drei von fünf Parametern zur Krankheitsaktivität mußte eine mindestens 20prozentige Besserung vorliegen. Diese waren: Dauer der Morgensteifigkeit, Stärke des Rückenschmerzes nachts, Beurteilung der Krankheitsaktivität durch die Patienten, Grad der Gelenkschwellung und Fähigkeit zu bestimmten Handlungen. Zum sekundären Endpunkt gehörte die Beurteilung der Krankheitsaktivität durch die Ärzte.

Nach vier Monaten hatten 80 Prozent der Patienten in der Verum-Gruppe auf die Therapie angesprochen, aber nur 30 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die Etanercept-Gruppe hatte bei vier der fünf Parameter des primären Endpunktes eine signifikante Besserung im Vergleich zu Placebo. Auch bei vielen Parametern des sekundären Endpunktes war die Besserung signifikant. Die ehemalige Kontroll-Gruppe sprach ebenso gut auf die Arznei an wie die anderen Patienten, der Therapieeffekt nahm im Verlauf von zehn Monaten nicht ab. Ärzte Zeitung, 20.06.2003

Adalimumab ist verträgliche Option bei Rheuma - Etwa so viele unerwünschte Wirkungen wie Placebo / Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis deutlich gesenkt

Der rein humane Antikörper und TNF-alpha-Hemmer Adalimumab ist ebenso sicher für Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) wie Placebo. Das hat die STAR (Safety Trial of Adalimumab in Rheumatoid Arthritis)-Studie ergeben, auf der unter anderem die kürzlich erfolgte Zulassung des Präparates bei RA in den USA basiert.

Von der STAR-Studie hat Professor Beat Michel vom Universitätsspital Zürich berichtet. Ziele der randomsierten Studie waren die Sicherheit als primärer, und die Wirksamkeit als sekundärer Endpunkt. 636 Probanden, 79 Prozent Frauen, mit mittelschwerer bis schwerer RA erhielten Placebo- oder den Antikörper. Die meisten wurden schon mit ein bis vier antirheumatischen Basistherapeutika (DMARDs) behandelt (84 Prozent). Als Kortikoide waren bis zu zehn Milligramm Prednison-Äquivalent am Tag erlaubt. 40 mg des Verum-Präparats oder Placebo wurden alle zwei Wochen s.c. injiziert.

Unerwünschte Ereignisse seien in beiden Gruppen ohne signifikanten Unterschied bei mehr als 80 Prozent der Patienten und somit oft aufgetreten, so der Rheumatologe bei einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott in Zürich. Diese Ereignisse seien aber meist harmlos gewesen. Schwere unerwünschte Ereignisse, etwa schwere Infekte, habe es bei fünf Prozent der Patienten mit dem Antikörper und bei sieben Prozent mit Placebo gegeben. Tuberkulose oder opportunistische Infektionen seien nicht aufgetreten, sondern zum Beispiel Pneumonien, Bronchitiden oder eine Infektion mit Herpes zoster. Vier Patienten mit Verum bekamen ein Malignom: drei Basalzell-Karzinome und ein Lymphom. Was das bedeutet, ist noch unklar.

Statistisch signifikante Unterschiede gab es beim Therapie-Effekt zwischen Verum und Placebo: Beurteilt nach den klinischen Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) verminderte sich die Krankheitsaktivität bei 35 Prozent der Patienten mit Placebo und 53 Prozent mit Verum um je zwanzig Prozent. Bei elf Prozent aus der Placebo- und 30 Prozent aus der Verumgruppe gab es eine Besserung um 50 Prozent.

In den USA ist Adalimumab in Mono- und Kombinationstherapie bei Erwachsenen mit RA zugelassen, wenn sie auf mindestens ein DMARD nicht genug angesprochen haben. Die Zulassung in Europa wird diesen Sommer erwartet. Ärzte Zeitung, 05.02.2003

Anakinra auch geeignet bei Rheuma plus KHK - Günstiges Sicherheitsprofil nach Phase-III-Studie

Der humane Interleukin1-Rezeptorantagonist Anakinra (Kineret®) vermag eine rheumatoide Arthritis sowohl kombiniert mit Methotrexat, als auch in Monotherapie zu verbessern. Das Sicherheitsprofil ist offenbar günstig: Schwere Infektionen treten bei einer Therapie mit Anakinra im Vergleich zu Placebo nicht statistisch signifikant häufiger auf. Das gilt selbst für Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko wie Diabetikern oder Patienten mit KHK.

Die Ergebnisse einer Phase-III-Untersuchung mit der Sicherheit von Anakinra als primärem Studienendpunkt sind jetzt bei der Jahrestagung des American College of Rheumatology in New Orleans vorgestellt worden. 1414 Patienten mit rheumatoider Arthritis sind im Verhältnis 4 : 1 der Verum-Gruppe (100 Milligramm Anakinra am Tag subkutan) oder der Placebo-Gruppe zugeordnet worden. Das hat Professor Joseph A. Markenson vom Cornell University Medical Center in New York berichtet. Die Studienteilnehmer hatten bereits seit mindestens zwei Monaten eine Basistherapie mit krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Substanzen (DMARDs) oder Kortikosteroiden plus nicht-steroidalen Antirheumatika (seit mindestens einem Monat) begonnen und setzten die jeweilige Behandlung fort. Die Studie war für sechs Monate verblindet. Danach konnten die Probanden für weitere 30 Monate an der offen weitergeführten Studie teilnehmen, so Markenson auf einem von dem Unternehmen Amgen ausgerichteten Symposium.

Die Patienten wurden dann in die Studie aufgenommen, wenn sie die rheumatoide Arthritis seit mindestens drei Monaten und wenigstens drei schmerzende und geschwollene Gelenke und/oder Morgensteifigkeit hatten. Sie waren durchschnittlich 55 Jahre alt, und drei von vier Studienteilnehmern waren Frauen. Im Mittel waren sie seit siebeneinhalb Jahren rheumakrank. 518 von 1399 Teilnehmern, deren Daten ausgewertet worden waren, hatten ein hohes Infektionsrisiko, 881 ein eher niedriges.

Schwere Infektionen seien bei 1,8 Prozent der Probanden in der Verum-Gruppe aufgetreten und bei 0,7 Prozent in der Placebo-Gruppe, so Markenson. Kein Patient sei daran gestorben. Auch bei Probanden mit hohem Infektionsrisiko gab es einen leichten, aber statistisch nicht signifikanten Trend zu mehr schweren Infektionen mit Anakinra. Malignome traten nach Angaben von Markenson nicht häufiger auf als erwartet. Unterschiede zwischen Verum- und Placebo-Gruppe bei den unerwünschten Wirkungen gab es lediglich bei lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle (ein Drittel mit Placebo, 71 Prozent mit dem Verum).

Das Sicherheitsprofil von Anakinra sei in Bezug auf das Risiko für schwere Infektionen wie Tuberkulose günstiger verglichen mit anderen biologischen Substanzen gegen rheumatoide Arthritis, etwa Etanercept und Infliximab, resümierte Markenson. Ärzte Zeitung, 13.11.2002