Morbus Bechterew und Spondylitis Ankylosans und rheumatoide Arthritis sowie Rheuma und Rücken. TNF-Alpha Therapie, NSAR, Cox 2, Diagnose und Radium

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(Spondylitis ankylosans) 
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Update 24.08.2007

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Perspektive - Thalidomid-Therapie und andere Therapien bei Morbus Bechterew

Thalidomid (früher unter dem Handelsnamen Contergan als Beruhigungsmittel verwendet) blockiert die entzündungsfördernde Wirkung von TNF-alpha auf indirektem Weg. Französische Forscher haben 1999 zwei Spondylitis-ankylosans-Patienten, bei denen andere Medikamente nicht halfen, mit Thalidomid behandelt. Der Beobachtungszeitraum betrug 24 bzw. 72 Wochen.

 

Bei beiden Patienten nahm der entzündliche Rückenschmerz und die periphere Gelenkbeteiligung deutlich ab. Die Beweglichkeit verbesserte sich innerhalb eines halben Jahres um mehr als 50%, und auch die Laborwerte verbesserten sich unter der Therapie.

 

Bei einem der Patienten verminderte sich nach 9 Monaten Therapie die Zahl der weißen Blutkörperchen erheblich. Nach Absätzen der Thalidomid-Therapie normalisierte sich die Leukozytenzahl zügig, aber auch die Krankheitsaktivität stieg schnell wieder an. Nach Wiederaufnahme der Therapie mit nur 100 mg Thalidomid pro Tag ging die Krankheitsaktivität erneut zurück, ohne dass Nebenwirkungen auftraten.
Studien zur Wirksamkeit von Thalidomid bei der chronischen Polyarthritis wurden vor einigen Jahren eingestellt, weil die Haupt(neben)wirkung von Thalidomid die Schlafneigung ist. Dies könnte bei den vergleichsweise jüngeren Spondylitis-ankylosans-Patienten aber anders sein.

 

Insgesamt könnte Thalidomid über die indirekte Unterdrückung von TNF-alpha einen weiteren neuen Therapieansatz für die Spondylitis ankylosans darstellen. Aber auch bei dieser Substanz sind zunächst kontrollierte Studien zur Verträglichkeit und zum eindeutigen Wirksamkeitsnachweis notwendig.

 

Pamidronat-Therapie bei Spondylitis ankylosans

 

Pamidronat gehört zur Gruppe der Aminobisphosphonate, die dem Abbau der Knochensubstanz entgegenwirkt. Bisphosphonate werden bei Erkrankungen mit verändertem Knochenstoffwechsel eingesetzt: Beim Morbus Paget (einer Knochenkrankheit mit Verdickung und Verkrümmung einzelner Röhrenknochen und Neigung zu Knochenbrüchen), bei Knochenmetastasen und bei der Osteoporose.. Der Wirkungsmechanismus ist bisher nicht eindeutig geklärt. Wesentlich ist eine Bindung an die Oberfläche des Knochens mit Hemmung der Osteoklasten (für den Knochenabbau zuständige Zellen). Neue Untersuchungen sprechen dafür, dass Bisphosphonate auch entzündungshemmend wirken. Im Tierversuch konnte durch Bisphosphonate eine Besserung hervorgerufen werden.

 

1998 berichteten amerikanische Forscher erstmalig über die Behandlung von 16 Spondylitis-ankylosans-Patienten mit Pamidronat. Ihr Alter lag zwischen 27 und 62 Jahren (Durchschnitt 41,8 Jahre), die durchschnittliche Erkrankungsdauer lag bei 12,3 Jahren (3 bis 32 Jahre). Die Patienten hatten trotz der höchstzulässigen NSAR-Dosis eine hohe Krankheitsaktivität (BASDAI durchschnittlich: 6,7). Drei Patienten hatten gleichzeitig einen Morbus Crohn und erhielten eine Kombination aus Paracetamol und Codein. Die 1. Gruppe mit 8 Patienten erhielt 30 mg Pamidronat (Handelsname Aredia) monatlich über 3 Monate, gefolgt von Infusionen mit 60 mg monatlich über weitere 3 Monate. Die 2. Gruppe mit ebenfalls 8 Patienten erhielt nur Infusionen mit 60 mg monatlich über 3 Monate. Bezüglich der Krankheitsaktivität, der Wirbelsäulenbeweglichkeit und der Blutsenkungsgeschwindigkeit wurden in der 1. Gruppe signifikante Besserungen beobachtet. In der 2. (mit nur 3 Infusionen behandelten) Gruppe war der therapeutische Effekt nicht sehr intensiv. Nur die Wirbelsäulenbeweglichkeit hatte sich auch hier signifikant verbessert. Infusionsbegleitende Nebenwirkungen waren Gelenkschmerzen und Fieber insbesondere bei der 1. Infusion. Sie traten bei 50% der Patienten auf, waren aber leichtgradig und wurden außer bei einem Patienten bei Folgeinfusionen nicht mehr beobachtet.

 

Diese ersten Ergebnisse sprechen dafür, dass Pamidronat bei Spondylitis-ankylosans-Patienten insbesondere bei längerer Anwendung eine entzündungshemmende Wirkung haben könnte. Damit ist auch diese Substanz ein interessanter Kandidat für weitere Studien.

 

Langzeit-Therapie mit Medikamenten, die bei der rheumatoiden Arthritis wirksam sind

 

In den letzten 10 bis 20 Jahren konnte in einer Reihe großer Studien bei der rheumatoiden Arthritis (der chronischen Polyarthritis, einer ebenfalls entzündlich-rheumatischen Erkrankung) eindeutig belegt werden, dass Medikamente wie Methotrexat, Azathioprin und auch das neue Medikament Leflunomid eine anhaltende Unterdrückung der Entzündung und ein Aufhalten der Knochenzerstörung bewirken. Vergleichbar gute Untersuchungen liegen bei der Spondylitis ankylosans nicht vor. Es sollte zukünftig geklärt werden, ob nicht die eine oder andere dieser Substanzen auch für die Spondylitis ankylosans als Langzeit-Therapeutikum eingesetzt werden kann.